Fast 230.000 EUR teures Vorzeigeprojekt für abgelehnte Asylforderer geplant/ Allianz kritisiert umstrittenes Projekt „FinQua“ und fordert alternative Mittelvergabe

Die Allianz für Aachen möchte die für das „Flüchtlingsintegrationsprojekt“ (FinQua) geplanten Fördermittel neu ausschreiben lassen. In einem aktuellen Ratsantrag kritisiert die Ratsgruppe die operative und strategische Ausrichtung des Projekts, welches sich explizit an Personen mit negativem Asylbescheid richtet. Stattdessen regen der AfD-Ratsherr Markus Mohr und sein Ratskollege Wolfgang Palm die Unterstützung von Projekten zur Unterstützung depressiv erkrankter Menschen an und schlagen zu diesem Zweck die Förderung  des Vereins Psychologie und Gesundheit e.V. vor.

Nach Mohr und Palm ist das Projekt „FinQua“ nicht förderungswürdig. Die beiden Ratsherren kritisieren den Ansatz Personen mit ungewisser Aufenthaltsperspektive und bereits abgelehnte Asylforderer in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren. Eine Stadt mit überdurchschnittlicher Arbeitslosenquote, sowie einem hohen Anteil an Kinder- und Jugendarmut benötige keine Zufuhr an ausländischen Konkurrenten um Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze, argumentieren die beiden Ratsherren.

Zudem würden bei den Teilnehmern des Projekts ungerechtfertigte Hoffnungen auf einen weiteren Verbleib in Deutschland geschürt. Dies würde einerseits dazu führen, dass weiteren Pull-Signale in die Heimatländer ausgesendet werden. Andererseits würde es die Rückkehrbereitschaft schmälern und zum „Untertauchen“ der Teilnehmer verleiten.

Mohr und Palm stellen in ihrer Antragsbegründung auch heraus, daß der operative Kern des Projekt letztlich nur aus einer vagen und ziellosen handwerklichen Betätigung bestehe, die mit einem Beratungsangebot gekoppelt sei, welches vor dem Hintergrund einer bereits breit gefächerten Beratungs-, Informations- und Fürsorgeinfrastruktur schlicht überflüssig sei.

Hilfeangebot für akute Depressionsleiden: Alternative Mittelverwendung für Psychologie und Gesundheit e.V.

Statt der Mittelvergabe an „FinQua“ möchte die Allianz für Aachen die Fördermittel mit dem Ziel der Förderung von Projekten zur Unterstützung depressiv erkrankter Menschen neu ausschreiben. Hierfür bringt die Allianz den Verein Psychologie und Gesundheit Aachen e.V. ins Gespräch, welcher einen Bereitschaftsdienst für Menschen mit akuten psychischen Leiden unterhält. Durch die Förderung des Vereins könnte nach Vorstellung von Mohr und Palm der Bereitschaftsdienst um die Einrichtung einer Vollzeitstelle für einen ausgebildeten und kassenzugelassenen Psychotherapeuten mit dem Schwerpunkt Depressionsbehandlung ausgeweitet werden.

Die Ratsherren verweisen dabei auf die durchschnittlich monatelangen Wartezeiten auf einen ambulanten Psychotherapieplatz und die damit einhergehenden Risiken für Betroffene und Kosten für die Gesundheitssysteme. So führten lange Wartezeiten tendenziell zu einer Verschlechterung und Chronifizierung der Krankheitssymptome sowie zu einem Nachlassen der Behandlungsbereitschaft Betroffener. In der Folge hätten Unternehmen immer höhere Kosten für krankheitsbedingte Fehltage und Krankengeldzahlungen von längeren Ausfällen (depressiv) erkrankter Arbeitnehmer zu tragen. Da Menschen mit akuten psychischen Leiden aufgrund der schlechten Versorgungslage mit Psychotherapeuten gezwungen seien sich direkt an Krankenhäuser zu wenden, würden diese zunehmend belastet, bzw. überlastet, wie dies auch die Erfahrungen im Aachener Uniklinikum zeigten.

Durch eine entsprechende Ausweitung des Krisendienstes des Vereins Psychologie und Gesundheit e.V. solle ein sofortiges Hilfsangebot und eine tragfähige Überbrückungsstruktur für akut depressiv Leidende während längerer Therapiewartezeiten geschaffen werden, schreiben Mohr und Palm.

 

Lesen Sie hier den Antrag der Allianz für Aachen.