Kriegsnarbe heilen: Die Zukunft der Vennbahn

Quelle: openstreetmap.de

Die Vennbahn steht im Fokus eines Antrages des AfD-Ratsherren Markus Mohr und seines Ratskollegen Wolfgang Palm. Die beiden Ratsherren möchten, daß der Trassenabschnitt der Vennbahn, der zwischen Roetgen und Kalterherberg zur Abtrennung deutscher Exklaven auf belgisches Staatsgebiet führt, wieder nach Deutschland zurückkehrt.

Dazu sollen zwischen Deutschland und Belgien bilaterale Gespräche zustande kommen. Mohr und Palm sehen in Aachen einen Impulsgeber, der für diesen deutsch-belgischen Dialog auf übergeordneten Verwaltungsebenen werben und selbigen vermittelnd und unterstützend begleiten könne. Der Dialog solle ergebnissoffen geführt werden und auch etwaige komplementäre Gegenleistungen im Fall einer Rückgabe beraten.

Die beiden Ratsherren werfen in ihrem Antrag zunächst einen Blick auf die Geschichte der Vennbahn. Ursprünglich als Verbindung zwischen Industriestandorten erbaut, wurde die Vennbahn nach dem Ersten Weltkrieg – losgelöst von den Bestimmungen des „Versailler Vertrags“ – Belgien zugeschlagen. So kam es zu einem komplizierten Grenzverlauf mit insgesamt fünf deutschen Exklaven auf belgischem Staatsgebiet. Nach der zwischenzeitlichen Revision der belgischen Annexionen während des Zweiten Weltkrieges, wurde nach der Niederlage Deutschlands 1945 der territoriale status quo wieder hergestellt – auch in Bezug auf die Vennbahn.

Kurz nach Inkrafttreten des deutsch-belgischen Grenzvertrages 1958 sei der Betrieb auf der Vennbahn immer weiter zurückgefahren worden, schreiben Mohr und Palm. In den 1980er Jahren seien bereits einige Streckenteile stillgelegt worden. Seit der Jahrtausendwende sei der Schienenverkehr sogar vollständig eingestellt. Auf dem Gelände der Vennbahn seien Rad – und Wanderwege entstanden; Anlagen und Technik seien demontiert worden oder verwilderten. Die Vennbahn erfülle heute keinen Zweck mehr, die Grenzführung mit durch Städte und Weiler sei nur noch eine überflüssige Kriegsnarbe, so die Ratsherren.

Mohr und Palm zeigen auf, daß es im Nachkriegseuropa zu zahlreichen geringfügigen Grenzkorrekturen kam, die sich an praktisch-zweckmäßigen Gesichtspunkten orientierten. So etwa zwischen Deutschland und den Niederlanden (Ems-Dollart-Vertrag), Belgien (Weiler Bildchen) und Luxemburg (Moselinseln). Aber auch zwischen den westeuropäischen Nachbarländern, wie erst im vergangenen Jahr zwischen den Niederlanden und Belgien bezüglich der auf der Maas gelegenen Halbinseln. Kennzeichnend dabei seien stets der Pragmatismus und die Konzilianz gewesen, mit denen Grenzfragen inzwischen geklärt werden, schreiben Mohr und Palm.

Eine symbolträchtige Zielmarke sehen die Ratsherren darin, zum 100. Jahrestag der Beurkundung der Annexion der Vennbahntrasse am 6. November 1922 in Aachen „mit der Rückkehr der fünf deutschen Exklaven von Roetgen bis Kalterherberg ins geschlossene deutsche Staatsgebiet eine heute funktionslose und überflüssige Kriegsnarbe im Geiste der europäischen Völkerfreundschaft zu heilen.“
Hier finden Sie den kompletten Antrag der Allianz für Aachen Die Zukunft der Vennbahn.